Die Reichsburg Kalsmunt

Gründung:Sommeransicht
Die Burg Kalsmunt wurde vermutlich um 1180 von Friedrich I., genannt Barbarossa (1152 – 1190), als Reichsburg erbaut. Zur gleichen Zeit (1180) bestätigte der Kaiser Wetzlar als „Reichstadt“. Es ist naheliegend, dass diese Ereignisse in einem gewissen Zusammenhang stehen könnten.Name:
Die Umschrift „Calsmund“ auf einer staufischen Münze ist die älteste schriftliche Erwähnung des Burgnamens, dessenUrsprung und Bedeutung bis heute jedoch nicht geklärt sind. Es könnte die Herleitung des Namens Kalsmunt auch von den keltischen Begriffen „kalet“ und „min(j)o“ diskutiert werden, was als „kahler“ (unbewaldet) oder „harter Berg“ (Basalt-Berg) übersetzt werden kann. Somit gab möglicherweise der Name des Berges, wie es seinerzeit oftmals üblich war, einer (späteren) Burg ihren Namen.

Lage:
Die Burganlage befindet sich südwestlich der Stadt Wetzlar auf einer markanten (und unbewaldeten) Basaltkuppel (241 m NN) zwischen dem Wetzbach und dem Einhäuser Bach. Unterhalb dieses 90 m hohen Berges (dies ist die Höhendifferenz zwischen dem Schillerplatz in der Altstadt und der Bergkuppe) liegt die Lahn-Furt „Eiserne Hand“. In der Nähe befindet sich auch die Einmündung der Dill. Dieser (früher stets) „kahle Berghang“ wurde erstmals 1870 teilweise aufgeforstet. (Durch Wildwuchs hat sich bis heute ein „Wald“ entwickelt.)

Bedeutung:
Die Burg Kalsmunt bildete den nördlichen Abschluss des staufischen Verteidigungssystems, wobei diese Kette von Reichsburgen die Burg Münzenberg in der Wetterau, die Burg Friedberg, die Pfalz Gelnhausen und den Saalhof in Frankfurt umfasste. Die „Hohe Straße“ führte als Handelsweg von Antwerpen und Aachen über Köln und den Westerwald sowie die Überquerung von Dill und Lahn, um dann die Reichsstadt Wetzlar am Obertor in Richtung Frankfurt zu verlassen. So sollte der Kalsmunt sowohl den wichtigen Übergang über die Lahn sichern und den Besitz der Stauferkaiser wahren, als auch im Kriegsfall als Stützpunkt und als Zufluchtsort dienen.

Burgmannen:
In der Reichsburg Kalsmunt lebten gleichzeitig mehrere Burgmannen-Familien, die von den verschiedenen Reichsburg-Lehensmännern als ihre jeweiligen Vertreter für die Burghut eingesetzt waren. Diese Familien bewohnten einfache Häuser innerhalb der Burganlage. Der erste 1223 urkundlich mit Namen erwähnte Burgmann war Winterus von Kalsmunt-Krüftel. Zusätzlich zu ihren Einzel-Lehen hatten die Burgmannen auch einen Anteil an den dazugehörigen Liegenschaften. Alle Burgmannen waren mit gleichen Rechten ausgestattet, sodass keiner zu großer Macht gelangen konnte. Hierdurch wurde eine mögliche Unterdrückung oder sogar Beherrschung der Reichsstadt Wetzlar verhindert.

Burgbezirk:
Die Burg war von einer äußeren Ringmauer umgeben, in der sich ein Tor und ein Wächterhaus befanden. Diese äußere Ringmauer schützte die Burganlage auf der südwestlichen und nordöstlichen Seite, da diese die am leichtesten anzugreifende Flanke war. Zusätzlich befand sich daher vor der äußeren Ringmauer als zusätzlicher Schutz noch ein Burggraben. Ebenso existierte auch eine innere Ringmauer, ebenfalls mit einem Eingangstor, zum Schutz der Wohngebäude, der Kapelle und wohl auch von Stallungen. Sicherlich war auch eine Zisterne vorhanden. Von diesem Burgbezirk sind heute nur noch Reste vorhanden.

Bergfried:
Der markanteste Rest der Burg ist der 18 Meter hohe und 11,8 Meter breite Stumpf des in 3 Geschossen erhaltenen quadratischen Bergfried. Die Innenmaße betragen 5 x 5 Meter. Die dritte Etage wurde wohl als Wohnraum genutzt, da sie einen Kamin, Abort-Erker und Lichtscharten besaß. Von hier aus stieg man durch eine Luke auf die Plattform des Turmes bzw. die 4. Etage. Von dem zweiten Geschoss gelangte man durch eine Luke in das untere Geschoss, welches wohl als Vorratskammer (ggf. auch als Verlies) diente. Eine Zugangstür zum Turm befand sich nur im 3. Stockwerk in 9 Meter Höhe, die durch ein nicht mehr erhaltenes Turm-Aufgangsgebäude mit einziehbarer Zugbrücke erreicht werden konnte. Der heutige Eingang zum ebenerdigen Geschoss wurde erst 1836 gebrochen. Die Ecken des Turmes stehen ziemlich genau nach den Himmelsrichtungen. Die Mauern aus 3 Schichten errichtet, weisen eine Dicke von 3 Metern (!) auf. Die innere Schicht wird von glatten Quadern gebildet, die äußere Schicht aus mächtigen und an den Rändern behauenen Buckelquadern. Sie bestehen weitgehend aus rotem Schalstein, daneben aus rotem Sandstein und ungeordnet aus einem violett-roten Schlackenagglomerat. Dazwischen befindet sich eine Kernfüllung aus dunklem, vor Ort gewonnenen, Basalt. Diese staufische Bauweise mittels Buckelquader sollte die Eigenschaft besitzen, feindliche Geschosse leichter abprallen zu lassen oder zumindest in ihrer Durchschlagskraft zu reduzieren. Außerdem waren die Buckelquader Ausdruck der Repräsentation, da sie sich an vielen staufischen Burgen finden. Diese Quader waren ohne Mörtel zusammengefügt und durch blei-vergossene Eisenklammern gehalten. Das vorhandene Sichtmauerwerk im unteren Teil der Südwestwand baut sich aus rotem Sandstein auf. Darüber ist die basaltische Mittelschicht freigelegt. An der Südostecke findet sich Schalstein und violettes Schlackenagglomerat. Mittels einer nunmehr 1836 errichteten eisernen Wendeltreppe im Turminneren (die heutige Betontreppe wurde 1928 gebaut) gelangt man auf die etwa 3 x 3 Meter große Plattform (also die wohl frühere 4. Etage des Bergfrieds) mit einem Rundum-Blick weit in das Land.

Besitzer:
Die Verwaltung der Burg oblag mehreren vom Kaiser ausgewählten Lehens-Männern, die diese Aufgabe sodann sog. Burgmannen (s. o) übertrugen. über die folgenden Zeiträume sind jedoch die Besitzverhältnisse des Kalsmunt recht undurchsichtig, zumal durch Teilungen eine Gan-Erbenschaft entstanden war. Im Jahr 1464 nahm Philipp von Nassau die Reichsstadt Wetzlar als Mitbesitzerin der Reichsburg Kalsmunt an. Landgraf Philipp, der Großmütige, von Hessen hat sodann 1536 die nassauischen Rechte am Kalsmunt durch Tausch erworben. Er ermahnte damals bereits (!) die Stadt Wetzlar, sie solle dem Verfall des Kalsmunt Einhalt gebieten, – was jedoch nicht erfolgte. Im Jahr 1604 gingen dann die Reichsvogtei Wetzlar und der Kalsmunt an Hessen-Darmstadt über. Eine Bestandsaufnahme im Jahr 1609 ergab bereits eine große Zerstörung der Burganlage: Wetzlarer Bürger und Bauern der Umgebung nutzten die Gebäude als willkommenen, kostenlosen „Steinbruch“ für ihren eigenen Hausbau. Infolge dieses wilden Abbruchs waren die Gebäude-Reste nunmehr den Witterungseinflüssen schutzlos preisgegeben. Seit 1803 ist der Kalsmunt Eigentum der Stadt Wetzlar. In der Folgezeit wurden nun Restaurierungs-Arbeiten 1831, 1836, 1950 sowie 1975 durchgeführt.